
Martin Staab, erster Bürgermeister der Stadt Waiblingen (am Rednerpult) freut sich über die Bereicherung der Ausbildungslandschaft: „Eine Stadt, die Studierende hat, hat auch ein anderes Flair“. Von links: Ingeborg Soller-Britsch, Geschäftsführerin des Evangelischen Schulwerkes in Württemberg und Claus Schmiedel, MdL.

Prof. Dr. Peter Dohm, Leiter der Steinbeis Business Academy Berlin, hält es für wichtig, mit seiner Universität nicht statisch an einem Ort zu verharren, „sondern dorthin gehen, wo Bedarf ist“. Managementkompetenz sei der Schlüssel für künftige Führungskräfte: Wer eine soziale Einrichtung gut leiten will, muss sich nicht nur mit Pflegekonzepten auskennen, sondern auch den Überblick über die Zahlen haben, sagt Dohm

Uwe Stickel, Geschäftsführer der Ludwig Schlaich Akademie (am Rednerpult), ein Vorreiter in Sachen Fort- und Weiterbildung. Die Aufgabe der Akademie sieht er vorrangig darin, qualifizierte Mitarbeiter zu finden und zu halten. Mitarbeiter für die Diakonie Stetten und für viele Kooperationspartner, die ihre Schüler und Studenten nach Waiblingen schicken.

Die Zukunft beginnt, wo die Trennung zwischen beruflicher und akademischer Bildung überwunden wird, sagt Claus Schmiedel, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion und selbst einer der Wegbereiter des neuen Studienganges an der Ludwig Schlaich Akademie.
Beide werden sie einmal als die ersten Studenten in die Geschichte eingehen, die in Waiblingen „Bachelor of Business Administration im Gesundheits- und Sozialwesen“ studiert haben und damit auch den Beweis erbrachten, dass lebenslanges Lernen in allen Lebenslagen möglich ist.
Möglich aber nur, weil die Ludwig Schlaich Akademie in Kooperation mit der Steinbeis-Hochschule Berlin Studieren zum einen jenen ermöglicht, die nebenher noch ihrem ganz normalen Broterwerb nachgehen müssen und zudem das Studium auch für Menschen öffnet, die keine allgemeine Hochschulreife, sprich Abitur, in der Tasche haben.
Theorie und Praxis
So wird vielleicht aus dem Heilerziehungspfleger Löffler einmal eine Führungskraft in Stetten und Linda Rupp kann sich gut vorstellen mit dem Bachelor Abschluss in der Tasche, zukünftig eine Heim- oder Pflegedienstleitung zu übernehmen. Wohl wissend, dass sie dazu die ökonomischen Hintergründe, Theorien und Lösungsansätze nicht nur aus ihrer langjährigen Erfahrung intuitiv wissen muss, sondern dass es ihr, der Institution, in der sie arbeitet und vor allen Dingen den ihr anvertrauten Menschen nutzt, wenn sie das theoretische und wissenschaftliche Rüstzeug auch in der Tasche hat. Berufserfahrung und theoretisches Wissen – das sind die besonderen Merkmale der Bachelor-Studenten, die in Zukunft mehr denn je gefragt sein werden.
Seit März also studieren die beiden zusammen mit ihren 16 Studienkollegen in Waiblingen. Und weil dieser Studienbeginn durchaus den Auftakt zu etwas Neuen markiert, gab es einen Festakt, bei dem Studierende, Professoren, Vertreter der Ludwig Schlaich Akademie, Abgesandte aus Politik und städtischer Verwaltung, sowie auch die Vorstände Heiderose Maaß und der neue kaufmännische Vorstand Markus Nikolaus nach Waiblingen kamen.
Qualifizierte Mitarbeiter finden und halten
Uwe Stickel, Geschäftsführer der Ludwig Schlaich Akademie der Diakonie Stetten, darf sich rühmen der Anführer einer Pioniertruppe zu sein. Für ihn aber eine logische Konsequenz dessen, was die Ludwig Schlaich Akademie schon immer auszeichnet: Vorreiter in Sachen Fort- und Weiterbildung zu sein. Die Aufgabe der Akademie sieht er vorrangig darin, qualifizierte Mitarbeiter zu finden und zu halten. Mitarbeiter für die Diakonie Stetten aber auch für die Kooperationspartner, die ebenso ihre Schüler und Studenten nach Waiblingen schicken.
Mit der Steinbeis-Stiftung hat die Ludwig Schlaich Akademie einen passenden Partner gefunden. Prof. Dr. Peter Dohm, angereist aus Berlin, weiß: „Der Sozialbereich schreit nach Managementkompetenz“. Wer eine soziale Einrichtung gut leiten will, muss sich nicht nur mit Pflegekonzepten auskennen, sondern auch den Überblick über die Zahlen haben.
Für Dohm ist es wichtig, mit seiner Universität nicht statisch an einem Ort zu verharren, „sondern dorthin gehen, wo Bedarf ist“. Denn wer zum Studieren zum Beispiel von Stetten nach Berlin gehen muss, „der kommt nicht wieder zurück“.
„Ambitionierte Profis“
Und so fügt sich der Studiengang auch ein, in die „strategische Personalentwicklung“ der Diakonie Stetten, wie es Vorstand Heiderose Maaß formulierte. In Zeiten von Regionalisierung, Dezentralisierung und Ambulantisierung komme es mehr den je darauf an, kleine Einheiten professionell zu managen. Maaß befürwortet den Weg von der Fachkraft hin zum Generalisten: der Heilerziehungspfleger mit Managementkompetenz, die Krankenschwester mit BWL-Studium. „Ambitionierte Profis“, nennt Uwe Stickel die zukünftigen Absolventen des Studiengangs. Profitieren werden beide Seiten, davon ist Maaß überzeugt: Die Studierenden, die sich weiter entwickeln können und die Einrichtungen, die bestens ausgebildete Mitarbeiter haben.
Das alles geschieht nicht aus reinem Selbstzweck heraus, betont Heidrose Maaß. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten komme es darauf an, für die Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind das Bestmögliche zu tun.
Jedes Gramm Hirn nutzen
Derzeit arbeiten in Deutschland 500 000 Menschen im Pflegebereich. 70 000 fehlen heute schon, im Jahr 2050 wird der Bedarf auf 1,8 Millionen angewachsen sein. „Im Grunde ein unlösbares Problem“, mahnt Prof. Dohm. Wir stehen im Zeitalter einer Revolution, sagt Prof. Dohm und es gelte auf die Anforderungen einer immer komplexer werdenden Umwelt zu reagieren. Dies geht dann, „wenn man jedes Gramm Hirn eines jeden Mitarbeiters in kombinierte Denkleistung umwandeln kann“.
Wer am Anfang einer Entwicklung steht, braucht Mut und Risikobereitschaft. Beides habe die Diakonie Stetten und die Ludwig Schlaich Akademie, lobte Ingeborg Soller-Britsch, Geschäftsführerin des Evangelischen Schulwerkes in Württemberg. Die Zukunft beginnt, wo die Trennung zwischen beruflicher und akademischer Bildung überwunden wird, sagt Claus Schmiedel, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion und selbst einer der Wegbereiter des neuen Studienganges. In Richtung des Ersten Bürgermeisters Martin Staab meinte er: „Das ist der Startschuss für den Hochschulstandort Waiblingen“. Das hörte dieser natürlich gerne und fügte hinzu: „Eine Stadt, die Studierende hat, hat auch ein anderes Flair“. An Prof. Dohm gewandt wies der Bürgermeister darauf hin, dass man in Waiblingen ein schickes Krankenhausgelände habe, das einen tollen Campus abgeben könnte. „Wir legen zusammen“, warf Heiderose Maaß in die Runde und auch Prof. Dohm empfahl sich mit den Worten: „Wir haben durchaus Interesse an guten Standorten“. - Flexibel sein, offen bleiben – auch das Eigenschaften, die zukunftsträchtig sind.
Nächster Kursbeginn für 2011 bereits im Visier
Der nächste Studienbeginn zum „Bachelor of Business Administration im Gesundheits- und Sozialwesen“ ist für Frühjahr 2011 terminiert. Interessenten sollten sich schon den Infotag vormerken: 17. November 2010 oder 3. Februar 2011 in der Ludwig Schlaich Akademie Waiblingen. Informationen auch unter www.LSAK.de oder unter www.socialbba.de im Internet.
Text: Sabine Reichle
Fotos: Eberhard O. Brachhold, Sabine Harscher-Wenzel